Es war an jenem Dienstag-Abend als wir bei Freunden zum Abendessen eingeladen waren. 4 Tage vor dem errechneten Entbindungstermin.
Trotz meiner Bilderbuch-Schwangerschaft, äußerte ich, dass ich so langsam meinen Körper wieder für mich wollte und endlich wieder auf dem Bauch schlafen wöllte, meinten sie so zu mir: Lass und doch jetzt einen Rotwein zusammen trinken und dann geht das ruckzuck los. Wir scherzten alle und keiner nahm das wirklich ernst. Stefan köpfte eine schöne Flasche Rotwein und ich genoss seit vielen Monaten mal wieder ein Glas Wein. Er schmeckte mir vorzüglich.
Gegen 21.30 Uhr traten wir den Heimweg an. Gegen 23 Uhr ging ich dann zu Hause zur Toilette und spürte irgendwie, dass es nicht aufhörte zu “laufen”. Gelesen hatte ich das ja öfters schon, aber sollte das jetzt bei mir auch so sein? Ich überlegte ersteinmal kurz und blieb sitzen, dann stopfte ich mir ein Handtuch zwischen die Beine und lief zu meinem Freund. “Du, meine Fruchtblase ist geplatzt” - Er, “was, jetzt, wir wollen doch jetzt schlafen gehen”…
Ok. ich wieder auf die Toilette und habe von dort meine Anweisungen gegeben, die Kliniktasche noch einmal durchgehen und die fehlenden Sachen einzupacken. Dann wollte ich unbedingt noch einmal duschen. Gegen 0.00 Uhr sind wir dann los, die Wehen kamen regelmäßig alle 4 Minuten. Das machte meinem Freund doch irgendwie zu schaffen. Wir wohnten in der 3. Etage und ich wollte unbedingt laufen, also pro Wehe eine oder zwei Treppenabsätze runtergestürzt. Während der Wehe wollte ich immer Stehen und mich irgendwo festhalten. Das hat also im Treppenhaus wunderbar funktioniert.
Dann ab ins Auto und ins 15 Minuten entfernte Krankenhaus gedüst. Parkplätze vorm Eingang gab es leider nicht, so mussten wir noch ca. 10 Minuten laufen. Gegen 0.30 Uhr haben wir uns dann angemeldet und hatten totales Glück! Die Hebamme Annabelle, bei der wir auch die Anmeldung vor der Geburt gemacht hatten, hatte Dienst! Ich war happy und erleichtert. Wir fragten gleich, wie lange sie Dienst hatte, sie meinte so “bis 6.15 Uhr” und wir so, “na das schaffen wir doch”. Sie lachte nur und meinte, “also beim ersten Kind solltet ihr schon ca. 10 Stunden rechnen”…
Ab gings ins Vorwehenzimmer, Muttermund 2cm offen, so ließ sie uns dann erst mal für eine Stunde in Ruhe. Nach einer Stunde drängte ich, sie solle doch noch mal messen, ob sich schon was getan hat.
Annabelle meinte dann, es gibt jetzt zwei Möglichkeiten, entweder es ist nichts passiert und du bist enttäuscht oder es ist was passiert, dauert aber trotzdem noch lange. Ich wollte es trotzdem und es trat auch noch Fall 1 ein. Ich war entsetzt, 1 Stunde “umsonst” gewunden und veratmet. Ok., so können wirklich 10 Stunden ins Land gehen, dachte ich mir.
Allerdings schlug die Hebamme vor, ich solle mal ein Entspannungsbad nehmen und sie gibt mir ein Zäpfchen, was den Muttermund weicher macht. Gesagt, getan. Und es war echt angenehm, obwohl ich mir vor der Geburt überhaupt nicht vorstellen konnte, dass mir eine heiße Wanne gut tun würde, ich hatte eher Angst um meinen Kreislauf. So verbrachte ich, erst mit meinem Freund, dann alleine 1,5 Stunden in der Wanne. Als ich es kaum noch aushielt und der Zug und Druck nach unten immer größer wurde, wollte ich ganz schnell da raus. Annabelle guckte nach und staunte nicht schlecht, der Muttermund war schon bei 8 cm, sie meinte gleich, ab in den Kreißsaal. Vor lauter Aufregung und Hitze habe ich dann gar nichts mehr angezogen.
Ab dem Punkt war ich dann wieder richtig motiviert, nur noch 2cm. Allerdings stellten sich die 2cm doch noch etwas schwieriger heraus. Es dauerte noch eine ganze Weile bis diese geschafft waren, und ich habe noch ein paar homoöpathische Kügelchen zur Unterstützung bekommen.
Dann durfte ich endlich pressen…es dauerte einige Presswehen, bis ich zu meinem eigenen Atemrhythmus gefunden hatte und dann klappte es wunderbar.
Allerdings rutschte das Köpfchen immer wieder zurück und ich probierte alle möglichen Stellungen aus, um dies zu schaffen. Es dauerte bestimmt 1 Stunde bis das Köpfchen draußen war. Na und der Rest ging dann ganz flott.
Um 6.08 Uhr erblickte unsere Kleine das Licht der Welt. Geschafft, noch vor Schichtende von Annabelle ;-), sie und die Schwesternschülerin bedankten sich für diese schöne Geburt.
Ich muss sagen, es war für mich wirklich eine schöne Geburt, so wie ich es mir immer vorgestellt hatte.
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